Förderpreis für U25

18.11.2021

Seit Mitte 2020 betreibt der Reha-Verein in enger Kooperation mit Jobcenter und Jugendhilfe Mönchengladbach das Projekt U25. Jetzt wurde es für den Förderpreis 2021 der Stiftung Soziale Psychiatrie ausgewählt. Zeit für eine Rückschau und Zwischenbilanz:

Ausgangssituation und Zielrichtung von U25

Die Zahl der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich außerhalb aller Hilfesysteme bewegen, nimmt seit Jahren zu. Ihre Situation ist meist von multiplen Problemlagen wie Wohnungslosigkeit, Schulden, Drogen, psychischen Auffälligkeiten, aber auch fehlenden Perspektiven in Richtung Ausbildung und Arbeit gekennzeichnet. Häufig können sie nicht auf eine stützende familiäre Struktur zurückgreifen, sondern stammen aus zerrütteten Familienverhältnissen. Viele haben bereits Kontakte zur Jugendhilfe hinter sich, die aber aktuell nicht mehr bestehen.

Das Projekt U25 bietet hier niederschwellig Orientierung und Hilfestellung: im täglich geöffneten Treff auf der Lüpertzender Straße mit warmen Mahlzeiten, Gelegenheit zum Duschen und Waschen bis zu einer Notschlafstelle werden elementare Bedürfnisse versorgt. Eigentliches Ziel ist es aber, durch individuelle Beratung und Begleitung die jungen Menschen (wieder) an das Fallmanagement des Jobcenters mit seinen Unterstützungsleistungen heranzuführen, um die Basis für persönliche und berufliche Weiterentwicklung und für einen geregelten Alltag herzustellen.
 

Aktuelle Entwicklung

Die Anlaufstelle auf der Lüpertzender Straße 125 wurde von Anfang an sehr gut angenommen. Sie ist zentral gelegen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen, freundlich eingerichtet mit offenem Küchen- und Gemeinschaftsbereich. Mittlerweile finden sich hier täglich ca. 20 Personen ein, in der regelmäßigen Betreuung sind regelmäßig mindestens 50 junge Erwachsene. Neben Einzel- und Gruppengesprächen gibt es kleinere gemeinschaftliche Aktivitäten wie z.B. Fußball und ein gemeinsames Trainingsangebot im Fitness-Studio. Kochen, Backen und Küchendienst stehen ebenfalls auf dem Programm. Notschlafstelle, Kleiderkammer und Hygieneangebote (Duschen, Wäsche waschen)  werden gerne und regelmäßig genutzt.

Förderpreis der Stiftung für Soziale Psychiatrie 2021

Dass U25 sinnvoll und notwendig ist, dass es junge Menschen erreicht, die psychosozial besonders belastet sind und die von den verschiedenen Hilfesystemen nicht bzw. kaum erreicht werden, wird jetzt mit einem Preis gewürdigt. Die Stiftung für Soziale Psychiatrie verleiht ihn regelmäßig für Projekte guter Praxis und „nachhaltig und inklusiv wirkende Modelle der psychiatrischen Versorgung“.
Im Ausschreibungstext heißt es u.a.: „Das Projekt sollte sich jedenfalls mit Gruppen befassen, die psychosozial besonders belastet sind und drohen, aus dem normalen Lebenszusammenhang ausgegrenzt zu werden.“ Und weiter: „Die Projekte stehen für sozialpsychiatrisches Handeln an Schnittstellen, d.h. Zusammenarbeit mit anderen Bereichen wie z.B. Jugendhilfe, Bewährungshilfe, Forensik, Sozialdienste, Wohnungslosenhilfe, alles im Sinne von Inklusion.“ Und genau diese Punkte stehen im Fokus von U25.

Neben der unmittelbaren Arbeit mit der Zielgruppe in Komm- und Geh-Struktur (Kontaktstelle und Streetwork) bildet die Netzwerkarbeit eine tragende Säule des Projektes U25, denn multiple Problemlagen erfordern Fachlichkeit aus den verschiedensten Bereichen. So sind neben der Arbeit in einem multiprofessionellen Team auch regelmäßige Schnittstellenkontakte und Arbeiten Hand in Hand mit anderen Behörden und Hilfsangeboten Programm. Das sorgt für kurze Wege. „Wenn Kontakt und Vertrauen aufgebaut wurden, sind der Weg zum Jobcenter, die Antragstellung auf Leistungen und die Bewilligung der Kosten für eine Wohnung fast immer unproblematisch“, berichtet Tobias Henke, der Leiter des Projektes. „Was uns allerdings derzeit Sorgen macht, ist die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt. Denn nicht nur unsere jungen Erwachsenen suchen eine kleine, bezahlbare Wohnung…“ Und gesicherte häusliche Verhältnisse sind eine wichtige Voraussetzung für Schritte in Richtung Ausbildung oder Arbeit.

Das Projekt ist bis zum Sommer 2023 bewilligt (30.06.2023). Was ist als nächstes geplant?
"Vor Weihnachten wollen wir besonders auf die Situation Obdachloser hinweisen und kleine nützliche Aufmerksamkeiten an sie verteilen. Für unseren Treff nehmen wir uns als nächstes das Krisenzimmer und die Kellerräume vor, sie könnten ein "Update" vertragen", so Tobias Henke. Bei allen Aktionen packen Mitarbeitende und Besucher*innen tatkräftig an.

Ihr Ansprechpartner

Herr Henke
Ansprechpartner KipE, Projektkoordinator u25
Mobil 0170 6540739