Gefühlte Momente: Ausstellung im Paritätischen

12.11.2021
Von rechts: Ira Ingenpass, Denise Brenneis, Marko Jansen (Pari), Dieter Froese, Foto: Detlef Ilgner

Bericht in der Rheinischen Post Mönchengladbach vom 11.11.2021

Paritätisches Zentrum in Mönchengladbach: Fotografien mit Blick in die Seele

Rheydt:  Die Ausstellung „Gefühlte Momente“ im Paritätischen Zentrum zeigt Menschen mit und ohne Behinderung in ihren Licht- und Schattenmomenten.

Die Farben eines Fotos changieren im Schwarz-Grau-Bereich, doch eine rote Blume durchbricht die trüben Töne. „Es war mir wichtig, darzustellen, wie es in einem aussieht. Egal, wie grau und schwarz die Depression ist, es ist doch immer ein bisschen vom Licht des Lebens sichtbar, und das führt einen heraus“, sagte Uwe Czichy zum Foto, das ihn in gedrückter Stimmung, aber mit kleinem Hoffnungsträger zeigt.

Auf dem Nachbarfoto posiert Jörg Röske in hoffnungsfroher Tatkraft. „Ich habe Zwänge, Angst, eine depressive Störung und versuche mittels meiner Kreativität darüber Herr zu werden“, erklärte er. Die von Meisterfotografin Ira Ingenpaß eingefangenen Momente sind zwei von 26 Fotografien in der vom Reha-Verein initiierten Wanderausstellung „Gefühlte Momente“. Coronabedingt ist das Paritätische Zentrum mit eineinhalb Jahren Verspätung bis zum 3. Dezember die vierte Station.

Die Bilder verraten nicht, wer von den Abgebildeten eine psychische Behinderung hat und wer nicht. Entwickelt wurde die Idee von Denise Brenneis während ihrer Ausbildung zur Genesungsbegleiterin. „Ich habe das Gefühl, bei einem Menschen mit gebrochenem Bein sieht man den Schmerz, aber nicht bei denen mit psychischer Erkrankung“, sagte Brenneis zur Eröffnung. Sie berichtete, dass die Teilnehmer der Projektgruppe die Bilder ihren Vorstellungen entsprechend mitgestaltet haben.

Die Bezeichnung psychische Behinderung sei ausschließlich ein Rechtsbegriff, der nichts über einen Menschen und dessen Leben sage, betonte Geschäftsführer Marko Jansen. Er wertete die Ausstellung als Beitrag zur Woche der seelischen Gesundheit im Oktober. Eigene Schattenseiten zu thematisieren, sei immer auch eine Frage von Scham. Doch die Beteiligten hätten sich der Aufgabe hervorragend gestellt und dabei persönliche Stärken mehr in den Vordergrund gerückt als Defizite, stellte Ursula Weber fest, die während des Projekts Ansprechpartnerin war und nun im Ruhestand dem Haus verbunden ist.

Als Gast dankte Ulrich Elsen für die eindrucksvolle Umsetzung des Themas, das auf Vielfalt setze als Gegenentwurf zur beschränkten Vorstellung von Normalität. Die Ausstellung dokumentiere gleichermaßen den Einsatz der Projektgruppe wie auch die Empathie der Fotografin, die sich auf Emotionen eingelassen und dabei einen Blick auf die Seele der Beteiligten eingefangen habe, urteilte der Bezirksvorsteher. „Die Teilnehmer sind über sich hinausgewachsen, sie haben sich etwas getraut und sehr schnell die Hemmungen vor der Situation im Fotostudio verloren“, beschrieb Ingenpaß rückblickend die Arbeit."

Die Ausstellung kann bis zum 03.12.2021 von montags bis freitags zwischen 8:00 und 16:00 Uhr besichtigt werden.
Ort: Mehrgenerationenhaus, Friedhofstr. 39, 41236 Mönchengladbach
Wer die Bilder sehen möchte, meldet sich bitte telefonisch an unter: 02166 9239-26.

Alle Ausstellungsinfos auf einen Blick

Ansprechpartnerinnen

Frau Brenneis
Genesungsbegleiterin
Telefon 02161 5768-1961