Repair Café – mehr als nur instand setzen
Kostenlose Reparaturen in Mönchengladbach
Rheinische Post vom 24.11.25, Jörg Singendonk
Mönchengladbach · Mit Kaffeemaschine, Mixer und Schwungtuch kommen die Rheindahlener ins neue Repair Café. Warum die Ehrenamtlichen an der Beecker Straße 51 nicht nur reparieren, sondern auch Wissen vermitteln – manchmal zum Ärger von profitorientierten Unternehmen.
Es ist genau 18 Uhr. Ilse van Endern ist die erste Kundin. Sie hat von dem Repair Café aus der Zeitung erfahren und möchte den Reparaturservice gerne mal ausprobieren. „Mein Kaffeevollautomat tut es nicht mehr“, sagt die Rheindahlenerin und stellt das schwere Gerät auf den Tisch. Andreas Neugebauer, Initiator des Repair Cafés an der Beecker Straße 51, begrüßt die Neukundin, blickt kurz zu seinem Kollegen Hans Baltes und schon legen beide mit ihrer Arbeit los.
Von der Handwerkerfamilie geprägt
Ilse van Endern bleibt interessiert zwischen den zwei Männern stehen. „Wir reparieren nicht einfach nur, sondern leisten auch Hilfe zur Selbsthilfe“, schildert Neugebauer das Konzept der Einrichtung. Als er 2019 in Rente ging, war ihm schnell klar, dass für ihn ein Leben im „Ruhezustand“ nicht infrage kommt. „Ich stamme aus einer Handwerkerfamilie, in der vieles repariert und fast nichts weggeschmissen wurde“, sagt Andreas Neugebauer. Und nachdem er sich im schon bestehenden Repair Café Rheydt informiert hatte, rief er ab 2021 die Anlaufstelle in Rheindahlen ins Leben.
Experten für Nähmaschinen und Haushaltsgeräte beim Repair Café Rheindahlen
Ein Mitstreiter der ersten Stunde ist Hans Baltes. Der frühere Beschäftigte der Metall- und Textilindustrie kann seine verschiedenen praktischen Erfahrungen bei der Repair-Arbeit gut einbringen. „Er ist unser Nähmaschinenexperte“, sagt Andreas Neugebauer über ihn. Inzwischen ist der Raum des Reha-Vereins gut gefüllt. Ein Kunde trägt eine kleine Kiste bei sich. Darin liegen mit einer Taschenlampe, einem Trafo und einem Ohrenspiegel gleich drei kaputte Gegenstände. Das ist ein Fall für Jürgen Krücken – den Fachmann für nahezu alle Haushaltsgeräte. Er setzt sich mit dem Kunden an einen Tisch und schon sind die beiden im Gespräch vertieft.
„Mein alter Mixer von 1980 funktioniert immer noch“
Eine besondere Beziehung zum Repair Café Rheindahlen hat Sigrid Coesfeld aus dem Stadtteil Ohler. Sie ist Kundin und gibt Nähkurse in der Familienbildungsstätte. „Ich finde das Angebot fantastisch und habe schon Teilnehmerinnen aus meinen Kursen an das Repair Café vermittelt“, sagt sie. Und zu Präsentationszwecken hat Sigrid Coesfeld etwas Besonderes mitgebracht: „Mein alter Mixer von 1980 funktioniert immer noch“, sagt sie stolz.
Eine halbe Stunde nach Öffnung herrscht nun richtig Betrieb. Auch der Hausherr ist immer auf dem Sprung. Andreas Meyer-Buschfeld vom Reha-Verein versorgt Reparateure und Kunden mit Getränken und hält sich im Hintergrund für jede Anfrage zur Unterstützung bereit. Für den Teamleiter des Sozialraums West ist die Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Reparateuren „eine gelungene sozialräumliche Kooperation und wertvolle Verbindung zu unseren Einrichtungen der Gemeindepsychiatrie“.
Dass Reha-Verein und Repair Café gut mit dem Stadtteil vernetzt sind, zeigt der Besuch von Sandra Keuken. Die Erzieherin und Leiterin der Offenen Ganztagsschule Geusenstraße bringt viel Farbe ins Spiel. Denn unter ihrem Arm hat sie ein großes buntes Schwungtuch, das dringend genäht werden muss – ein Auftrag wie gemalt für das zurzeit sechsköpfige Team inklusive Holger Thimm, Ingeborg Mühlenbroich und Hartmut Weinreich.
Ein Dorn im Auge von Unternehmen
Doch der Einsatz der in der Lebenspraxis so geschulten Ehrenamtler geht hin und wieder auch über das normale Maß hinaus – ganz zum Ärger mancher profitorientierter Unternehmen. „Ein Kunde brachte uns einmal einen Staubsauger, dessen Saugkraft sich nicht mehr regulieren ließ“, erzählt Andreas Neugebauer. Ursache für den Defekt war ein abgebrochener Stift im Drehknopf. „Die Herstellerfirma hat an dieser Stelle eine der berüchtigten „Sollbruchstellen“ eingesetzt“, sagt Neugebauer. Sollbruchstellen lösen nach einer bestimmten Laufzeit des Geräts einen Defekt aus, der meistens auch nicht mehr repariert werden kann. Dann hilft nur noch ein Neukauf.
Im besagten Fall wurde das Innere des Drehknopfs vom Team mit Harz ausgegossen. Der Staubsauger läuft wieder einwandfrei. Der Reparaturservice ist kostenlos, es wird jedoch um Spenden gebeten. „Die Gelder bleiben vor Ort und werden etwa für den lokalen Martinszug eingesetzt“, so Andreas Meyer-Buschfeld.
INFO Wann der Treff stattfindet
Öffnungszeiten Jeden ersten Dienstag im Monat von 18 bis 20 Uhr ist der Repair-Treff in den Räumen des Reha-Vereins (Beecker Straße 51) geöffnet. Nächster Termin ist Dienstag, 2. Dezember.
Internet Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des Rehavereins.
Die Initiatoren des Repair-Treffs in Rheindahlen:
Andreas Neugebauer und Andreas Meyer-Buschfeld, Reha-Verein (Foto: Jörg Singendonk)