Angekommen im Traumjob
Dass sie in ihrem Traumjob angekommen ist, davon ist Heike Lindner-Schlösser überzeugt. Sie absolviert derzeit eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin in der besonderen Wohnform des Reha-Vereins an der Viktoriastraße in Mönchengladbach. Hier wohnen Menschen mit einer schweren Suchterkrankung durch Alkohol, aber auch durch andere Drogen, häufig gekoppelt mit weiteren psychischen Erkrankungen. Viele tragen aus ihrer Kindheit schwere Traumata mit sich und/oder haben in ihrem späteren Leben schwere Schicksalsschläge erlitten. Viele kommen aus der LVR-Klinik in Mönchengladbach, wenn dort festgestellt wurde, dass sie in ihrem weiteren Leben umfassende Unterstützung und Begleitung benötigen. Die Einrichtung an der Viktoriastraße bietet die erforderlichen Hilfen, setzt aber voraus, dass keine Drogen mehr konsumiert werden,- sie ist ein „abstinentes Haus.“
Der Weg zum Traumjob
Nach fast 30 Jahren im Friseurberuf als Meisterin, auch im Prüfungsausschuss der Handwerkskammer tätig, wollte Heike Lindner-Schlösser eine Neuorientierung. Nach verschiedenen Bewerbungen fing sie bei der damaligen Intres im Reinigungsdienst an und kam so mit der oben beschriebenen Personengruppe in Kontakt. Dabei stellte sie fest, dass sie gerne mehr machen wollte und sich das auch zutraute, aufgrund der geltenden gesetzlichen Regelungen aber nicht durfte.
Das war die Initialzündung für ihre Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin, auch wenn sie zunächst Sorge hatte, ob sie dem Lernprozess in der Berufsschule gewachsen sein würde. Diese Bedenken erwiesen sich aber als unnötig: „Als Mensch mit mehr Lebenserfahrung lernt man anders, strukturierter und motivierter. Man ordnet Inhalte nach ihrer Sinnhaftigkeit ein“, bemerkt Heike Lindner-Schlösser zu ihrem Berufsschulunterricht. Außerdem sei sie nicht die Älteste, die Spanne reiche von 18 – 57 Jahren. Die dreijährige Ausbildung absolviert sie in der praxisintegrierten Form (PIA), die Berufsschulunterricht und Praxis von Anfang an verbindet: an zwei Tagen in der Woche Schule am Berufskolleg des LVR in Düsseldorf-Gerresheim, an drei Tagen Praxis im Reha-Verein. Im September beginnt ihr drittes Ausbildungsjahr.
Thessaloniki Experience
Ein besonderes Highlight durfte sie im zweiten Ausbildungsjahr erleben: Über das Förderprogramm Erasmus absolvierte sie gemeinsam mit einigen Schulkolleg*innen ein zweiwöchiges Praktikum in Griechenland. Auf dem Programm standen Besichtigung und Austausch mit Einrichtungen für Menschen mit verschiedenen Behinderungen, aber auch konkrete Mitarbeit, teilweise „mit Händen und Füßen“. Ein Highlight war auch eine Einladung des deutschen Generalkonsulats. Beim fachlichen Austausch wurde gemeinsam ein Zeichen für eine barrierefreie und inklusive Zukunft in Europa gesetzt.
Der berufliche Alltag
Wie sieht ihre tägliche Arbeit aus? Bei der Arbeit mit Nutzenden steht zunächst die Bedarfsermittlung im Vordergrund: Was möchte bzw. braucht eine Person, nicht nur organisatorisch oder ggf. auch pflegerisch, sondern auch um eine bessere Tagesstruktur zu bekommen und am sozialen Leben teilhaben zu können? Wichtig ist ihr dabei neben den individuellen Kompetenzen der jeweiligen Person der umgebende Sozialraum: was gibt es in der unmittelbaren Umgebung, wovon könnten Bewohnerinnen und Bewohner profitieren? Da geht sie dann schon mal den Sozialraum mit einzelnen Nutzenden ab oder regt an, an Veranstaltungen des Reha-Vereins teilzunehmen. Gerne angenommen wird dabei z.B. der Besuch des monatlichen Tausch- und Trödelcafés in der Kulturküche – eine Gelegenheit, Abwechslung in die eigene Garderobe zu bringen, denn die meisten der Bewohnerinnen und Bewohner verfügen über ein geringes Einkommen. Bei der Arbeit mit den Bewohnerinnen und Bewohnern ist ihr insgesamt der Umgang „auf Augenhöhe“ wichtig. „Das ist absolute Vertrauensarbeit“, stellt sie fest.
Sie würde sich freuen, wenn sich mehr Menschen für eine Ausbildung in der Heilerziehungspflege interessieren und entscheiden.
Wer mehr erfahren will - Faktencheck:
Das Ausbildungsberufsbild Heilerziehungspflege PIA-Ausbildung am LVR-Berufskolleg Düsseldorf-Gerresheim