Argumentieren gegen Stammtischparolen
Eindrücke aus der Veranstaltung
Am 28.09.26 war Professor Dr. Klaus-Peter Hufer erneut zu Gast in der Kulturküche des Reha-Vereins. Sein Anliegen: Stammtischparolen zu erkennen und wirkungsvoll gegen sie zu argumentieren, um dem Populismus aus der Mitte der Gesellschaft zu begegnen.
In der Veranstaltung wechselten sich theoretischer Input, Interaktion mit dem Publikum und Rollenspiele ab.
Sätze wie „Ich habe ja nichts gegen…, aber…“ oder „Man wird ja wohl noch sagen dürfen…“ findet man immer häufiger und in jedem Kontext: geschlechts- und altersunabhängig, quer durch alle gesellschaftlichen Gruppen und Schichten. Ihr Kennzeichen ist immer eine Verkürzung und einseitige Vereinfachung komplexer Inhalte, in der Regel mit Aussagen, die rigide, vorurteilsbeladen bis feindselig und aggressiv aufgeladen sind. Immer häufiger werden sie durch soziale Medien getriggert, ihr Wahrheitsgehalt kaum hinterfragt. Durch ihre Plötzlichkeit und Wucht fühlt sich das Gegenüber häufig in die Defensive gedrängt, spontan fallen keine passenden Antworten ein. Hinzu kommt, dass die Verfechter *innen häufig einer anderen Argumentation gegenüber nicht aufgeschlossen sind.
Wie aber damit umgehen, um demokratisches Handeln und das eigene Selbstbewusstsein zu stärken? Wie die Praxis auch im Rollenspiel zeigte: Einfach ist es nicht, denn die Argumentationsebenen sind gegensätzlich: Emotionalität versus Rationalität, Affekte versus Argumente, Pauschalierung versus Differenzierung, Schubladendenken versus Nachdenken. Die Parolen kommen spontan und mit Wucht, überrumpeln das Gegenüber häufig.
Hier ein paar Tipps von Prof. Hufer zum Umgang mit Stammtischparolen:
Im Gespräch keine langen und komplizierten Erklärungsversuche, sondern konkrete Gegenfragen stellen ("Wer fragt, der führt"), Pauschalierungen nicht zulassen und Widersprüche aufzeigen. Verbündete suchen, indem man Öffentlichkeit schafft…und weitere.
Fazit:
Selbstbewusstes Auftreten gegenüber Parolen kann man üben (sie sind ja größtenteils bekannt), wieweit und mit welchen Mitteln man sich Diskussionen, ggf. Anfeindungen stellt, sollte man aber abwägen und die Grenzen der eigenen Handlungsmöglichkeiten berücksichtigen. Gleichwohl gilt: „Schweigen ist Zustimmung“ und „Nichthandeln ist Anerkennung“.
Wir danken Professor Hufer für seinen eindrucksvollen Vortrag.
Alle Fotos: Tobias Leo, Reha-Verein