Verborgene Lichter in der Kulturküche

18.11.2025
Foto: Dietmar von der Forst, Küchentheater

Am 13. und 14. November wurde das neue Stück des Küchentheaters in der Kulturküche aufgeführt. Das Ensemble hatte sich dieses Mal ein ernstes Thema ausgesucht und einstudiert. Zur Premiere kamen so viele Interessierte, dass die Plätze knapp wurden und im Anschluss gab es viel Beifall für das engagierte Ensemble und den Regisseur, der extra aus Berlin angereist war. Auch eine Redakteurin der Rheinischen Post war anwesend, hier ihr Bericht:

"Verborgene Lichter" erzählt von sozialer Ungleichheit  -  Alexandra Jansen, Rheinische Post vom 15.11.2025

Bevor das Licht in der Kulturküche am vergangenen Donnerstagabend gedimmt wird, macht Regisseur Dietmar von der Forst klar, worum es in seinem neuen Theaterstück "Verborgene Lichter" geht: um die wachsende soziale Ungleichheit und um die stillen Verletzungen, die sie hinterlässt. "Eben um etwas, das viele betrifft", sagt er.
Das Ensemble nähert sich diesem schweren Stoff über eine alltägliche Situation: Das Ehepaar Friedhelm und Anette sitzt über einem Stapel unbezahlter Rechnungen. Viel wird nicht gesprochen und doch erzählt die Stille alles: von Scham, Sorge und dem Gefühl, nicht mehr dazuzugehören.
Im Anschluss folgt eine Szene aus dem örtlichen Martinsverein: leicht, humorvoll und zugleich entlarvend zeigt sie, wie selbstin gut gemeinten Ehrenämtern Machtverhältnisse und Eitelkeiten entstehen können. Wer darf St. Martin spielen? Wer entscheidet, wer dazugehört? Aus einer harmlosen Diskussion wird ein Spiegel gesellschaftlicher Teilhabe.
Das Stück macht hier deutlich, wie schnell Engagement zur Bühne für soziale Unterschiede werden kann und wie dünn der Grat ist zwischen Anerkennung und Bewertung. Die Scham von Hauptfigur Friedhelm, der gerne Mitglied im Martinsverein wäre, entsteht nicht durch persönliches Versagen, sondern durch den Blick der anderen - oder durch das, was er und seine Frau Annette glauben, was die anderen sehen könnten.
Diese Szenen sind keine bloßen Beispiele, sondern kleine Brennpunkte. Sie zeigen, wie Armut Menschen manchmal dazu zwingt, sich zu verstecken. Die Figuren lügen nicht, um besser dazustehen, sondern um sich zu schützen. Sie haben gelernt, dass Ehrlichkeit riskant sein kann. Damit berührt das Stück eine Realität, die viele Zuschauer wiedererkennen. Eine Besucherin sagt nach der Aufführung: "Ich habe zwischendurch echt geweint. Dieses Gefühl der Ausgrenzung kennt man." Ein anderer ergänzt: Es ist schlimm, dass sich Menschen wegen Geld schämen müssen. Das sagt doch gar nichts über ihren Wert aus."
Von der Forst gelingt es, soziale Ungleichheit nicht als abstraktes Systemproblem zu zeigen, sondern als emotionalen Zustand. Die Scham und Unsicherheit darüber werden deutlich sichtbar. Auch die Figur des Komitee-Vorsitzenden Heinrich, der an alten Hierarchien festhält und um ihren Status ringt, ist kein klassischer Gegenspieler. Er steht vielmehr für die Angst vieler Menschen, in einer sich verändernden Gesellschaft den eigenen Platz zu verlieren.
Im Verlauf des Stückes verschieben sich die Perspektiven. Friedhelm und Annette erkennen in Begegnungen mit den anderen Vereinsmitgliedern, dass viele ebenfalls mit Unsicherheit und wenig Geld leben, nur redet niemand darüber. Diese Momente öffnen den Blick: Sie zeigen, dass soziale Ungleichheit nicht nur trennen muss, sondern dass ein ehrliches Gespräch darüber verbinden kann.


Ausblick:
2026 legt das Küchentheater eine kreative Pause ein. Vielleicht geht es dann in 2027 weiter, mit neuen Ideen und einem neuen Stück und natürlich wieder in der Kulturküche.