Ein Bett ist keine Wohnung

23.08.2021
Kathrin Schmidt (Teamleitung Hovener Str.) mit Schaf, einem Geschenk des Architekten Michael Fischelmanns

Ein Bett ist keine Wohnung oder: Wohnen ist selbstbestimmt oder es ist keines.

Eindrücke von der Eröffnung des Wohn- und Geschäftshauses Hovener Straße 52 am 13. August 2021

Wie wichtig selbstbestimmtes Wohnen für die Entwicklung und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit ist, das stellte Dr. Stefan Rinckens, Ärztlicher Direktor der LVR-Klinik Mönchengladbach, eindrucksvoll in seinem Vortrag dar. Gemeinsam mit Vertreter*innen aus Politik und Gesundheitswesen, Netzwerkpartner*innen und weiteren geladenen Gästen war er zur Eröffnung am 13. August  erschienen. Auch das Wetter spielte mit, so dass sich die Veranstaltung unter freiem Himmel auf der Terrasse des ebenfalls neuen inklusiven Café Hovener abspielen konnte, unter musikalischer Begleitung durch Mirco Wessolly. Nach der Eröffnung durch Dieter Schax, den Vorstandsvorsitzenden des Reha-Vereins, hatten verschiedene Redner*innen das Wort.

„Es war schön, die Entstehung dieses Hauses so eng begleiten zu können“, fasste Dörte Schall, Sozialdezernentin der Stadt Mönchengladbach, ihre Eindrücke zusammen, „angefangen von den Abrissarbeiten über das Richtfest mit der Nachbarschaft bis zur heutigen Eröffnung.“ Das Haus sei ein Paradebeispiel für gemeindenahe Psychiatrie und ein Ort zum Wohlfühlen, eine „Heimat auf Zeit“. Sie lobte die gute Zusammenarbeit von Seiten der Stadt mit Reha-Verein und LVR-Klinik sowie die Vorreiter-Rolle, die der Verein bei der Umsetzung progressiver Ideen in der Gemeindepsychiatrie einnehme. Das bestätigte auch Annette Esser, Leiterin des Fachbereichs Eingliederungshilfe beim LVR. Die gute Vernetzung und Verbreitung im gesamten Stadtgebiet sei zur Förderung der Inklusion besonders hilfreich. Und die unkomplizierte und positive Zusammenarbeit mit der Stadt ist für sie ein „absoluter Glücksfall“.

Das Wohn- und Geschäftshaus an der Hovener Straße 52 verfügt über 13 Appartements und eine Trainingswohnung, wo Menschen mit einer psychischen Erkrankung als normale Mieter*innen mit eigenem Mietvertrag leben können. Als Alternative zur früher üblichen Unterbringung in einem Wohnheim, einer psychiatrischen Klinik oder im Betreuten Wohnen liegt hier der Fokus auf einer selbstbestimmten Lebensführung, bei der sich die Mieter*innen selbst entscheiden können, ob und welche Hilfsangebote sie nutzen möchten.
Wie wichtig diese selbstbestimmte Form des Lebens für eine Begegnung aus Augenhöhe ist, darauf wies Stefan Rinckens in seiner Rede ebenfalls hin. Und nicht nur das: Ein Grundgefühl des "In-sich-Wohnens" sei wichtig für eine Grundgeborgenheit und Vertrauen in das eigene Leben. Eine Erschütterung dieses Grundgefühls könne wiederum zu existentiellen Krisen und möglicherweise zu einer psychischen Erkrankung führen. Im Umkehrschluss: Wertschätzung, Respekt und ein selbstbestimmter und selbst gestaltbarer Raum zum Leben können zu psychischer Stabilisierung und möglicherweise Gesundung beitragen.

Diese Ziele unterstützt auch die Stadtsparkasse Mönchengladbach: Stefan Esser,  stellvertretender Leiter des FirmenkundenCenter, überreichte einen Scheck über 10.000 € an Klaudia Rudat, Vorstand des Reha-Vereins. Die Spende aus dem PS-Zwecksparen ist für die weitere Ausstattung des inklusiven Café Hovener vorgesehen.

Im Anschluss an die Eröffnungsveranstaltung hatten auch Nachbarn und andere interessierte Bürger*innen Gelegenheit, das neue Haus zu besichtigen, mit Bewohner*innen und Mitarbeiter*innen ins Gespräch zu kommen und die leckeren Kleinigkeiten des Café Hovener zu kosten. Vielleicht auch, um demnächst mal dort zu essen oder einen Kaffee zu trinken, denn das Café bietet nicht nur Essen für Mieter*innen und Beschäftigte, sondern auch ganz normal "für alle".

Auch die RP hat über die Eröffnung berichtet. Hier können Sie den Bericht lesen.

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